Geschichte

Schon seit langer Zeit bekannt

Den Ursprung des American Mustang findet man bereits im 15. Jahrhundert. Damals besiedelten die Spanier mit ihren einheimischen Pferden den amerikanischen Kontinent. Wenig später wurde ein europäisches Ausfuhrverbot verhängt um die Pferdepopulation in Europa zu sichern. Aus diesem Grund kreuzte man in Amerika Araber und Berber ein, um den Bedarf an Pferden weiter decken zu können. Diese Pferde verwilderten später in der Weite des Landes und noch heute werden Nachkommen dieser Pferde entdeckt, die in Herden umherstreifen.

Diese wild lebenden Pferde sind heute gut untersucht und man findet Merkmale verschiedener Pferderassen wieder, da sich damals immer wieder Hauspferde der Farmer zu den wild lebenden Mustangs hinzugesellt haben.

Aufgrund der immer größer werdenden Mustangpopulation und des Fehlens natürlicher Fressfeinde, fing man die Mustangs Ende des 2. Weltkrieges ein und tötete sie, um Platz für die Tiere der Farmer zu schaffen. Es sollen damals nur etwa 5.000 Pferde in Nevada überlebt haben. 2008 schätze man die Zahl der frei lebenden Mustangs dann wieder auf 27.000 Pferde.

 

 

Wild Horse Anni

Dieser bewundernswerten Frau ist es zu verdanken, dass der Mustang heute noch unangetastet in den Weiten Amerikas leben kann. Sie hat über viele Jahre dafür gekämpft, dass der Mustang unter staatlichen Schutz gestellt wird. 

Velma B. Johnstons Geschichte beginnt mit ihrer Geburt am 5. März 1912 in Reno, Nevada. Sie wuchs auf der Ranch ihrer Eltern als Älteste von vier Geschwistern auf. Es gab im Jahr 1950 einen Tag in ihrem Leben, der alles für sie änderte. Neben der Ranch, die sie von ihren Eltern übernommen hatte und führte, arbeitete Velma zusätzlich als Sekretärin. Sie war gerade auf dem Weg zur Arbeit, als ein Truck, voll beladen mit Pferden, vor ihr auf die Straße bog. Erschrocken stellte sie fest, dass daraus Blut sickerte und so folgte sie dem Truck zu einem Schlachthof. Hier erfuhr sie, dass es sich bei den Tieren um wilde Mustangs handelte und sie beschloss etwas gegen diesen grausamen Umgang mit ihnen zu unternehmen.

Velma, bald von allen nur noch Wild Horse Annie genannt, hatte einen harten Kampf zu führen. Die Mustangs wurden von den sogenannten Mustangers, um Zeit zu sparen, auf brutale Weise eingefangen. Man trieb die Tiere mit Flugzeugen in einem halsbrecherischen Tempo in karge Landgebiete, wo die erschöpften und verletzen Tiere von Trucks aus mit Seilen eingefangen wurden. An das andere Ende des Seils wurden schwere Traktorreifen gebunden, so dass die Mustangs kurz darauf erschöpft zu Boden gingen und auf die Trucks geladen werden konnten. Grund für die gnadenlose Jagd der Mustangers war die hohe Nachfrage nach Pferdefleisch für die Tierfutterindustrie. So stand Annie großen Unternehmen der Tierfutterindustrie und Hunderten von Ranchern, die ihr privates Land vor grasenden Mustangs schützen wollten, gegenüber. Scheinbar unbesiegbare Gegner.

Doch Annie sorgte mit ihrer Briefkampagne dafür, dass die Öffentlichkeit auf das Thema und den grausamen Umgang mit dem wertvollen Erbe des Landes, dem Mustang, aufmerksam wurde. Tausende von Briefen, vorrangig von Schülern, wurden an die Regierung geschrieben und Menschen auf der ganzen Welt boten Annie ihre Hilfe an. Der Abgeordnete Baring sorgte kurz darauf dafür, dass 1959 ein Gesetzesentwurf durchgesetzt wurde, welcher es verbot, Mustangs mit jeglichen motorisierten Fahrzeugen und Flugzeugen zu jagen. Dieses Gesetz wird heute als Wild Horse Annie Gesetz bezeichnet.

Dieses Gesetz reichte Annie jedoch nicht, denn es beinhaltete nicht ihre Forderung nach einem Programm, welches die Mustangs langfristig schützt, verwaltet und die Population der Tiere kontrolliert. Das öffentliche Interesse und die Besorgnis stiegen weiter an und nachdem die Anzahl der Mustangs durch die grausame Jagd so stark zurückgegangen war, realisierte man, dass ein staatlicher Schutz unerlässlich war.

So wurde 1971 das Gesetz WILD FREE-ROAMING HORSES AND BURROS ACT OF 1971 erlassen, welches die Mustangs unter den Schutz der Regierung stellt und dafür sorgt, dass die Mustangs und das öffentliche Land durch das BLM (Bureau of Land Management) verwaltet werden.

Annie gelangen ihre Erfolge nicht zuletzt, weil sie mit Intellekt an die Sache heranging. So wusste sie, dass sie als Frau nicht mit Emotionen, sondern mit klaren Argumenten und Fakten überzeugen musste. Mit ihrer Stärke, Durchsetzungskraft und charismatischen Art konnte sie nahezu jeden für sich und ihr Ziel gewinnen.

Ohne das Engagement von Wild Horse Annie könnte es also sein, dass es heute keine Mustangs mehr gäbe. Ihrer besonderes starken Persönlichkeit und der Unterstützung vieler tausender Menschen ist es zu verdanken, dass das Symbol von Freiheit und das Erbe des Westens noch heute in den Weiten Amerikas grast.

Annie starb im Juni 1977 an Lungenkrebs.

Der Mustang als wesentlicher Teil der Natur

Bereits 1971 wurde der Mustang unter Schutz gestellt.  Gesunde, vermittelbare Mustangs durften nicht mehr getötet werden. Heute gilt ein generelles Schlachtverbot in den USA. Das Bureau of Land Management, kurz BLM, kümmert sich seitdem um den Erhalt der Wildpferde, die durchaus eine wichtige Funktion erfüllen – Antilopen finden junges Gras, nachdem die Mustangherden die Flächen abgeweidet haben. Mustangs tragen dazu bei eine Verbuschung zu verhindern. Dies ist ein wesentlicher Bestandteil des Brandschutzes. Im Winter öffnen die Mustangherden mit ihren harten Hufen zugefrorene Wasserlöcher, davon profitieren auch andere Tiere in der Wildnis. Werden es allerdings zu viele Pferde auf einer zugewiesenen Fläche besteht die Gefahr, dass Wasserstellen zerstört werden und Pferde an Hunger leider und verenden.

Das BLM versucht aus diesem Grund eine Überpopulation zu vermeiden, weshalb die verschiedenen Mustangherden in regelmäßigen Abständen gefangen werden und einige Tiere zur Domestizierung freigegeben werden.

Weideflächen werden in immer größerem Umfang Farmern zugewiesen. Auf den vorhandenen Flächen weiden nur 50.000 Wildpferde im Gegensatz zu 6.000.000 Rindern. Eine sicherlich kaum bemerkenswerte Zahl. Allerdings weiden die Rinder nur im Sommer auf den Flächen, die Mustangs müssen auch die harten Winter mit den Ressourcen auskommen.

Familienstrukturen werden zerrissen

Bei der heutigen Regulation der Mustangpopulation werden leider Familienstrukturen zerrissen. Eine natürliche Regulation der Herdengröße kann erfahrungsgemäß nicht mehr stattfinden. 

Immer wieder kämpfen allerdings engagierte Menschen um das Überleben der Mustangs in der Wildbahn. Sie fordern die Wiederherstellung eines ökologischen Systems, um den Mustang dauerhaft zu schützen. Dieses ökologische System ist bei einer Herde seit Jahren zu beobachten. Hier finden keine Round-ups statt, trotzdem bleibt die Größe der Herde stabil. In dieser Region leben noch genügend Berglöwen, um als natürlicher Fressfeind die Population im Gleichgewicht zu halten. Die Geburtenrate reguliert sich hier ohne Eingriff des Menschen. Junge Hengste dürfen nicht decken und die Leitstute verhindert, dass junge Stuten gedeckt werden. In Jahren mit knappem Futterangebot kann es vorkommen, dass nur die Leitstute tragend wird. Auf diese Weise wird das Überleben des einzelnen Genpools für die Zukunft gesichert.

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