Erfahrungsbericht Champ

 

 

Wenn ich von Champ erzählen kann, gerate ich ins Schwärmen, deshalb kann ich nicht garantieren, dass diese Zeilen ohne Emotionen bleiben....

Eine verrückte Idee auf einem Pferdeevent, (Mustang makeover Germany 2017), einen Mustang nur von einem Bild zu kaufen. Nach 45 Jahren Pferdeerfahrung sollte mir so etwas nicht mehr passieren. Ist es aber.

Da schaute mich von einem einfachen PC Ausdruck die ganze Seele Amerikas an. Ich tat das was ich im Normalzustand jedem abraten würde, ich kaufte ihn. Ohne langes hin und her. Einfach so.

Nach einigen Monaten der Wartezeit und ständigem e-mail Kontakt zu den Importeuren Michael und Silke Strussione, war es soweit. Das Datum des Abholens in Frankfurt stand fest. Die Zeit des Wartens füllte ich mit einem kleinen Buch, in das ich meine Gedanken, Erwartungen und auch Ängste einfügen konnte.Von letzteren gab es eine Menge, sagte doch jeder, Mustangs sind ganz anders. Nach einer schlaflosen Nacht und einer langen Anfahrt standen wir (unsere Trainerin Janell und ich),endlich auf dem Frankfurter Flughafen.

Ich erwartete ein vom Flug müdes Pferd und richtige Probleme beim Verladen in unseren Hänger. Aber alles kam anders. Ein stolzes Pferd mit hoch erhobenen Kopf in schönster Aufrichtung kam , nein, schwebte, auf uns zu. In seinen Augen sah ich alles was man nur von einem magischen Moment erwarten konnte. Die ganze Prärie offenbarte sich uns.. Treue, Ehrlichkeit, Kampfeslust, Stolz, Zuneigung, Wärme, Liebe, alles.

Pferdeleute sehen das sofort und in Sekunden war ein Band zwischen uns. Es folgte ein komplett problemloses Verladen und eine sehr ruhige Heimfahrt, die in einem braven Abladen endete. Nichts von unseren Befürchtungen war eingetroffen. Besser ging es nicht.

Die Wochen, die nun folgten waren in erster Linie warten auf ihn. Denn wenn wir eins gelernt haben, ist das die Regel Nr. 1 bei Mustangs. Warten bis der Mustang kommt, mit nichts in der Welt kannst Du ihn zwingen zu Dir zu kommen. Gut, kann man schon, aber mit nicht zu lösenden Problemen für die weitere Zusammenarbeit. Das geflügelte Wort, wenn Du zu einem Pferd gehst mach die Uhr ab, gilt bei Mustangs doppelt.

Nach ca. 14 Tagen entschied er sich auf uns zu zukommen und nun, noch einmal mit sehr viel Vorsicht, lief alles planmäßig, putzen lernen, Hufe geben, Halfter rauf und runter, Führen, Ranholen und Wegschicken. Wir haben ihn überall mitgenommen, wo wir in diesem Jahr mit Pferden hingefahren sind. Aufladen, reisen, neue Box, fremde Halle, Abladen, alles schon lange kein Problem mehr. Wenn Mustangs Dir Vertrauen, hast Du sie ganz.

Derzeit, 4 Monate nach seiner Ankunft beginnt die Phase des Anreitens. Immer in Kooperation mit ihm selbst.Nein, nicht wir haben ihm das gelehrt. Er hat es uns gelehrt, hat uns seinen Weg dahin gezeigt und wir haben gelernt zuzuhören. So hat sich auch noch einmal das Herangehen der Trainingsmethoden mit unseren "normalen" Pferden verändert. Ich glaube, das Lernen mit Mustangs hört niemals mehr auf. Sie haben uns so viel zu sagen über Dinge, die wirklich wichtig sind und Im Leben zählen. Kein schneller Erfolg, keine Schleife auf einem Turnier, kein Beritt in 3 Monaten. Sondern etwas für das es keine Medaillen gibt und für was es noch kein perfektes Wort in unserer Sprache gibt, aber was sich so gut anfühlt und so erfüllend ist und aus einem Pferd einen Freund für ein Leben macht.

Schenkt einem Mustang Euer Herz und Eure Zeit und Ihr werdet wissen was ich meine. Ich möchte noch erwähnen, dass Champ ein sogenannter 3 Stripes Mustang ist und als schwierig und unvermittelbar galt und schon auf mehreren Auktionen in Amerika erfolglos angeboten wurde.

Ich danke allen schwierigen Pferden auf der Welt, von ihnen habe ich immer am meisten lernen können.

Dagmar Großer und Janell Baader (Trainerin)